Die Moorburger wollen helfen – Hamburger Abendblatt – 17.10.2015 – Lars Hansen

Mit freundlicher Genehmigung des Hamburger Abendblattes

Von Lars Hansen

Im Gemeindehaus stellten sich Initiativen und Institutionen vor, die mit Flüchtlingen arbeiten. Moorburg erhält demnächst eine Unterkunft

Moorburg. In ein leer stehendes Haus am Moorburger Elbdeich werden demnächst 20 Flüchtlinge einziehen. Zum größten Teil wird es sich dabei um Familien handeln, erklärte Beate Schmid-Janssen vom Landesbetrieb Fördern und Wohnen am Donnerstag im Moorburger Gemeindehaus. Die Nachricht war ganz frisch. Über den Tag waren noch höhere Zahlen durch die Online-Medien gegeistert. Die etwa 120 Zuhörer nahmen das wohlwollend auf. Sie waren ohnehin größtenteils gekommen, um sich zu informieren, wie man Flüchtlingen helfen kann.

Als Pastorin Daniela Stieglitz zu der Informationsveranstaltung eingeladen hatte, bestand der Plan einer Unterbringung in Moorburg noch gar nicht. Gemeindemitglieder und andere Moorburger waren wegen der in der Nähe entstehenden Unterkunft in Bostelbek an sie herangetreten. Einige hatten Sorgen wegen der Fremden, die in die Nähe ziehen würden. „Die meisten wollten aber wissen, wie sie als Moorburger den Flüchtlingen in Bostelbek helfen können“, sagt die Pastorin.

Also organisierte die Seelsorgerin Sachverstand: Auf dem Podium saßen neben ihr und Beate Schmid-Janssen Karen Robben von der Lawaetz-Stiftung, Harburgs Sozialdezernent Holger Stuhlmann, Birgit Rajski von der Open Arms GmbH und Stefanie Großhardt von der Initiative „Flüchtlinge in Moorburg“ (FIM). Die FIM ist rund um die Moorburger Kulturinitiative Elbdeich e.V. entstanden und arbeitet bereits in den Erstaufnahmen.

Holger Stuhlmann und Beate Schmid-Janssen erläuterten zunächst die allgemeine Situation der Unterbringung im Hamburger Süden. Ihr Fazit: Die Plätze sind knapp, nicht nur in den Erstaufnahmen, sondern erst recht, was die Folgeunterbringung angeht, so dass Menschen in den Erstaufnahmen bleiben, die eigentlich schon in Folgemaßnahmen wohnen dürfen. In Erstaufnahmen führt das dazu, dass auch im Winter Menschen in Zelten nächtigen müssen.

Ob man nicht Leute aus den Zelten privat aufnehmen könne, wollte ein Zuhörer wissen. Schmid-Janssen verneinte: „In den Erstaufnahmen müssen die Menschen für ihr Asylverfahren erreichbar sein. Lieber sollten Sie jemanden mit Wohnberechtigung aufnehmen. Der macht dann einen Platz im festen Bauwerk frei.“

Karen Robben und Birgit Rajski stellten ihre Projekte vor: Die lokalen Partnerschaften und „Open Arms“ sehen sich als Ansprechpartner für Helfer und Initiativen. „Open Arms“ organisiert Schulungen für Helfer. Die Partnerschaften vernetzen Initiativen und haben sogar einen Etat, um einzelne Projekte zu unterstützen.

Stefanie Großhardt berichtete über die Arbeit der FIM. „Wir haben Kunstprojekte in den Erstaufnahmen gestartet und verwirklichen die Ergebnisse zum Teil auf Siebdruck. Es gibt schon Einkaufstaschen mit einem Willkommensmotiv, das ein syrischer Künstler gestaltet hat.“

Auch die anderen Bürger im Saal wollten bald mit dem Helfen beginnen. Birgit Rajski bremste: „Die Leute in den beiden Unterkünften müssen sich erst einleben und zur Ruhe kommen. Allerdings brauchen wir sofort Lotsen, die bei Behördengängen helfen.“