Ein Geschenk für Deutschland – hitNews – Mai 2015

Mit freundlicher Genehmigung der hitNews.

 

Mit der Open Arms gGmbH will Unternehmer Christoph Birkel eine neue Willkommens-Kultur für Flüchtlinge schaffen. Die Initiative ist Anlaufstelle für Anwohner, Behörden, Unternehmen und Helfer. Und sie unterstützt die Integration der Bewohner des Flüchtlingsdorfes am Bostelbeker Damm.

Wenn Birgit Rajski anderen Leuten von ihrem neuen Job erzählt, blickt sie manchmal in ungläubige Gesichter. Beispielsweise bei Detlef Scheele, Hamburgs Senator für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. Scheele sei erstaunt gewesen, berichtet Rajski, dass „ein Unternehmer sich in diesem Maße engagiert, obwohl er davon direkt gar nicht profitiert“. Doch darum geht es Christoph Birkel, dem Geschäftsführer des hit-Technopark, in diesem Fall auch gar nicht. Die Open Arms gGmbH wird er im Juni gründen und Birgit Rajski als Projektleiterin in Vollzeit angestellt, weil es „unsere Pflicht ist, diese Menschen aus anderen Ländern zu unterstützen und sie mit offenen Armen aufzunehmen“.

Die neue Gesellschaft versteht sich als Angebot an alle, die sich um das Thema Flüchtlinge kümmern. Also sowohl als Anlaufstelle für die Flüchtlinge selbst, als auch als Gesprächspartner für Anwohner, Unternehmer, Politiker und Behörden. Dafür ist Birgit Rajski die richtige Frau am richtigen Platz. Die SPD-Bezirksabgeordnete hat viele Jahre als Büroleiterin für verschiedene Bürgerschaftsabgeordnete gearbeitet, ist stellvertretende Leiterin des Jugendhilfeausschusses, sitzt im Sozialausschuss, weiß wie Behörden funktionieren und ist im Hamburger Politikbetrieb bestens vernetzt.

Christoph Birkel sagt: „Unser Ziel ist es, diese Menschen schnell und unbürokratisch in Lohn und Brot zu bringen.“ Dabei könnte ein gewisser Einfluss auf die Politik nicht schaden. Seit 1. März sitzt Rajski bereits in ihrem neuen Büro im hit-Technopark, fast Wand an Wand mit Birkel, und arbeitet an den Strukturen der Open Arms gGmbH.

Auch hier glüht der direkte Draht. Auslöser für die Gründung der Open Arms gGmbH war die Entscheidung des Hamburger Senates, auf der ehemaligen Pferdekoppel am Bostelbeker Damm, in unmittelbarer Nachbarschaft des hit-Technopark, eine neue Wohnunterkunft für Flüchtlinge zu bauen. 168 Menschen sollen die acht geplanten Häuser im Herbst beziehen, überwiegend Flüchtlingsfamilien.

Das Ziel von Open Arms ist, die Integration dieser Menschen zu beschleunigen. Bei einem Besuch von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz am Tempowerkring hat Birkel dem Regierungschef schon vor längerer Zeit klargemacht: „Wenn ich monatelang nichts zu tun hätte, würde ich auch auf dumme Gedanken kommen.“ Pragmatische, schnelle Hilfe ist oberstes Ziel von Open Arms: Vermittlung von Sprachunterricht beispielsweise, das Organisieren von Sportangeboten, aber auch von Jobs – am besten bei den rund hundert Unternehmen des hit-Technopark. Mit Open Arms will Birkel eine neue Willkommenskultur in Hamburg etablieren. „Die Flüchtlinge sind ein Geschenk für Deutschland“, sagt er. Das kann er auch erklären. „Uns fehlen in Deutschland jedes Jahr 300.000 bis 500.000 junge Menschen, wenn wir den demografischen Knick durch die Überalterung unserer Gesellschaft ausgleichen wollen“, sagt Birkel in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung „Business & People“. „Dies könnte uns mit Hilfe der Flüchtlinge, die in unser Land kommen, gelingen.“ Tatsächlich sind die Bedenken, die in der Bevölkerung zuweilen noch herrschen und sich nur langsam abbauen lassen, unbegründet. Die meisten Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, sind gut ausgebildet und hoch motiviert; Ärzte, Lehrer, Ingenieure, Facharbeiter sind darunter, alles Berufsgruppen, die in Deutschland mittlerweile stark gesucht und oft genug nicht gefunden werden.

Somit könnten der Unternehmer Birkel und die Mieter der Büro- und Technikumsflächen im hit-Technopark am Ende womöglich doch noch ganz konkret selbst von den neuen Nachbarn profitieren – als hoch qualifizierte Arbeitskräfte.

Open Arms will aber nicht nur den Flüchtlingen selbst helfen, sondern auch den Helfern. Dazu werden künftig Kurse angeboten, die Freiwillige in verschiedenen Fachgebieten ausbilden, damit diese dann ihr neues Wissen als ehrenamtliche Helfer weitergeben können. Und zwar ohne vorher selbst zur Kasse gebeten zu werden. Bislang ist es nämlich so, dass Helfer ihre Ausbildung selbst bezahlen mussten. „Ein Unding, dass jemand für seine freiwillige Arbeit nicht nur nicht bezahlt wird, sondern dafür auch noch selbst zahlen soll“, sagt Birkel. Open Arms wird deshalb die Kosten für die Kurse ab sofort übernehmen. Und auch Räumlichkeiten für die Schulungen im hitTechnopark zur Verfügung stellen. Birkel: „Ich möchte etwas von den Möglichkeiten zurückgeben, die ich bekommen habe.“ Darüber hinaus möchte Open Arms dabei helfen, die mittlerweile zahlreichen Flüchtlingsinitiativen in Hamburg zu vernetzen und die gemeinsamen Ziele zu kanalisieren. „Wir arbeiten gern mit allen zusammen“, sagt Birkel. „Es macht doch keinen Sinn, wenn alle ihr eigenes Süppchen kochen. Gemeinsam sind wir noch stärker.“ Open Arms bietet daher an, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und einzelne Projekte zum Nutzen aller zu koordinieren.

Für Birgit Rajski ist das übrigens eine der angenehmsten Erkenntnisse der ersten Wochen im neuen Job. „Ich nenne das Querschnittsthema“, sagt Rajski. „Denn tatsächlich gibt es kaum ein Thema, bei dem so viele unterschiedliche Menschen zusammen an einem Tisch sitzen. Wenn es um Flüchtlinge geht, hat man alle Parteien zusammen – von den Autonomen bis zur Kirchengemeinde. Und alle haben das gleiche Ziel.“ Und das ist, den Flüchtlingen, die nach Harburg kommen, einen herzlichen Empfang zu bereiten.