Vom Protest zum Willkommen – Der Neue Ruf – 15.08.2015 – Peter Müntz

Flüchtlingsnetzwerk „Open Arms“ gegründet

Mit freundlicher Genehmigung des Neuen Rufs

Von Peter Müntz

Harburg. Am Anfang standen die Proteste der Bostelbeker: Sie liefen Sturm gegen eine am Bostelbeker Damm auf der dortigen Pferdewiese geplante Unterkunft für Flüchtlinge. Bezirk und Behörden hatten es schlichtweg versäumt, die Bürger zu informieren und für dieses Vorhaben zu gewinnen. Eine Bürgerinitiative entstand umgehend. Die Wogen haben sich mittlerweile geglättet und voraussichtlich ab Oktober werden dort 168 Personen untergebracht.

Christoph Birkel
Christoph Birkel: Grünes Licht für
Flüchtlinge
Foto: M. van Kann / AEMEDIA

Dann kam plötzlich Bewegung in die Angelegenheit, allerdings von ganz unerwarteter Seite. Denn Christoph Birkel, Geschäftsführer des in unmittelbarer Nachbarschaft angesiedelten hit-Technopark meldete sich zu Wort. Er kündigte an, ein Projekt zur Unterstützung von Flüchtlingen gründen zu wollen. Ein Name war schnell zur Hand: „Open Arms“. Die Gründung ist mittlerweile erfolgt. Birkel, sein Vater und seine Schwester, sind Gesellschafter der gemeinnützigen GmbH. Sie ist darauf ausgelegt, so lange zu arbeiten, wie Bedarf besteht. Und der Bedarf ist groß, sehr groß sogar.

Birkels Ziel ist es, die zahlreichen Helfer die sich mittlerweile eingefunden haben, nicht nur mit den Flüchtlingen zusammenzubringen, sondern auch die Bedarfe auf beiden Seiten zu ermitteln. Geklärt werden muss, wo 1.) in der Flüchtlingsarbeit angesetzt werden muss, und 2.) welcher Helfer für welche Tätigkeit geeignet ist. Birkel legt Wert auf die Feststellung, dass Open Arms keinesfalls Aufgaben des Bezirks oder gar der Stadt übernehmen will, sondern lediglich dort in die Bresche springt, wo Engpässe bestehen. Das beginnt mit Gesprächen abends an der Bar über Fußball und endet bei der Unterstützung bei Behördengängen. Vor allen Dingen unbürokratisch wolle die Hilfe von Open Arms sein.

Birgit Rajski
Birgit Rajski
Foto: M. van Kann / AEMEDIA

Damit das funktioniert, müssten beispielsweise freiwillige Helfer jedoch geschult werden – zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband –, und die rechtliche Situation der Flüchtlinge und freiwilligen Helfer muss möglichst rasch gleichermaßen geklärt sein. Birkel: „Wir alle haben ein gesundes Halbwissen.“ Deswegen müsse das Wissen aller Freiwilligen auf ein Niveau gebracht werden, damit sie die Fragen der Flüchtlinge auch kompetent beantworten können. Über die emotionale Schiene sollen die Flüchtlinge mit eingebunden werden, damit ihre Befindlichkeiten (z.B. eventuelle Traumata) berücksichtigt werden können.

Im Augenblick müsse man feststellen, dass die Stadt angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen in mancherlei Hinsicht überfordert sei. Deshalb gelte es, eine Willkommenskultur zu schaffen. Demnach sei es nur folgerichtig gewesen, Open Arms zu gründen.