„Wir müssen zum Land für Einwanderer werden“ – Hamburger Abendblatt – 22.01.2016 – Rolf Zamponi

Mit freundlicher Genehmigung des Hamburger Abendblattes

Von Rolf Zamponi

Wie Flüchtlinge Arbeit finden können – Neujahrsempfang der Harburger Arbeitsagentur

Harburg. Der Zustrom vom Flüchtlingen nach Deutschland ist eine Chance. Davon geht Christoph Birkel aus, der Geschäftsführer des Harburger hit-Technoparks. Birkel engagiert sich mit der von ihm mitgegründeten gemeinnützigen Gesellschaft Open arms zudem für die Integration von Flüchtlingen aus der Unterkunft in Bostelbeck sowie hamburgweit. „Deutschland verliert auf Grund des demographischen Wandels jährlich 500.000 Arbeitskräfte. Durch die Zuwanderung der Flüchtlinge, unter denen gut ausgebildete Menschen sind, lässt sich das abmildern“, sagte Birkel am Mittwochabend beim Neujahrsempfang der Harburger Arbeitsagentur unter dem Motto „Potenziale nutzen – geflüchtete Menschen beschäftigten.“ Gekommen waren 145 Gäste, zu denen auch Harburgs Bezirksbürgermeister Thomas Völsch zählte.
„Wir müssen ein Einwanderungsland werden, die Gesellschaft und die Ausbildungen für die Neuankömmlinge öffnen“, forderte Birkel weiter. Die von seiner Familie ins Leben gerufene gemeinnützige GmbH Open arms schult ehrenamtliche Helfer, bietet Sprach- und Konversationskurse für Flüchtlinge an und sucht auch weitere freiwillige Helfer. „Wir brauchen aber noch mehr Zeitspender“, sagte Birkel.
Die Vermittlung der deutschen Sprache ist von den Flüchtlingen gerade in Hamburg besonders gut angenommen worden. „Die von der Arbeitsagentur seit Ende Oktober angebotenen Kurse haben bislang 7639 Menschen genutzt“, sagte die Chefin der Harburger Arbeitsagentur, Ines Rosowski. In Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern waren es zusammen rund 9600. Damit stellt Hamburg die überwiegende Mehrheit der Schüler.
Die Agentur arbeitet in diesem Bereich mit verschiedenen Trägern und Schulen zusammen. Zu ihnen gehört die Euro Akademie in der Wendenstraße. „Wir unterrichten allein vier Klassen mit 86 Schülern, davon eine in Harburg“, sagte die Leiterin der Privatschule, Astrid Lange.
Die Arbeitsagentur wird sich in diesem Jahr vor allem um ältere Arbeitslose über 50, junge Leute unter 25 sowie Langzeitarbeitslose kümmern. „Wir haben Qualifizierungs-Maßnahmen eingekauft, damit die Menschen rascher vermittelt werden können und nicht zu Kunden des Jobcentes werden“, sagte Agenturchefin Rosowski. Im Job Center werden Menschen betreut, die keinen Anspruch mehr auf das Arbeitslosengeld haben.
Rosowski appellierte an die Arbeitgeber, jungen Leuten mehr Chancen einzuräumen. Sie hätten oft eine gute Ausbildung und einen Abschluss, Praxis könnten sie aber natürlich noch nicht aufweisen. Sie hoffe zudem, dass die Zahl der offenen Stellen und der Ausbildungsplätze 2016 weiter steigen werden. 2015 wurden durchschnittlich rund 1200 freie Jobs sowie um die 600 Lehrstellen gemeldet. „Wir haben ausreichend Kunden und können die Firmen bedienen“ versprach Rosowski.
Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Arbeitslosen in Harburg bei durchschnittlich 7600 und damit etwas niedriger als noch 2014. Dennoch liegt der Bezirk im Süden unter den insgesamt sieben in der Hansestadt stets an vorletzter Stelle.